Wenn ihr uns schießt, bluten wir nicht?

#1028

Ich kann es nicht mehr hören. Das „Nie wieder!“. Es ist doch längst da.

Ich kann es nicht mehr hören. Das „Wehret den Anfängen!“. Als ob wir in irgendwelchen Anfängen wären.

Ich kann es nicht mehr, das „Wir haben Verantwortung“ – und daß dann diese Verantwortung nichts ist als ein leeres Gerede, dem nichts folgt.

Ich kann es nicht mehr ertragen, diese Schreibe von Journalisten, die am liebsten jeden deutschen Juden für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich machen (sei sie gut oder nicht gut) und von ihm fordern, daß er sich dafür verantwortet, und am nächsten Tag jedes Propagandagewäsch eines Israelfeindes abdrucken und sich nicht trauen, ihm auch nur eine leicht widerspenstige Frage zu stellen.

Ich kann es nicht mehr ertragen, daß Deutschland die Arbeit der UNRWA finanziert, die den Judenhaß schürt.

Ich kann es nicht mehr ertragen, daß unter denen, die die Tat von Halle öffentlich verfluchen, auch solche sind, die mit für ein Klima sorgten, in dem sie möglich wurde.

Es wäre schön, wenn mehr Menschen verstehen würden:

  • daß Menschen eine Partei wählen, die antisemitische Scharfmacher in ihren vordersten Reihen hat, die Menschen unter ihren Mandatsträgern hat, die beim Totengedenken für einen Ermordeten sitzenbleiben. Demonstrativ Mord unterstützend.
  • daß Jude zu sein zunächst nichts grundsätzlich anderes ist als Christ zu sein, als Muslim zu sein, als Hindu zu sein. Immer noch wird von allzu vielen da etwas hineingeheimnist.
  • daß in Familien irgendwelche verlogenen Legenden weitergegeben werden. Neulich erzählte mir ein älterer Herr – ernstgemeint -, daß sein Opa nur bei der SA gewesen sei, um Juden helfen zu können. Und so etwas glauben manche Enkel wirklich.
  • daß das Judentum ein Teil Deutschlands ist – seit fast 1.700 Jahren, als es das Wort Deutschland noch nicht gab.
  • daß Menschen es wagen, gleichzeitig „für Juden“ und „gegen Israel“ demonstrieren – wie etwa 2014 geschehen, als sich als Anhänger von Pax Christi zeigende Menschen vor der Sebalduskirche so zeigten. Israel ist der jüdische Staat – jeder kann gegen seine Politik sein, wenn er sie nach gleichen Maßstäben beurteilt wie die Politik anderer Staaten. Dann aber ist er „gegen Netanyahu“ und nicht „gegen Israel“. Bei uns sind auch Menschen „gegen Merkel“, aber die sind noch >
  • daß Lehrer sich nicht trauen, ihren eigenen Schülern, die den Besuch in der Synagoge mit den Worten „Synagoge – Israel – Gaza“ verweigern und demonstrativ beim Betreten der Synagoge die Kopfbedeckung abnehmen (!), entgegenzutreten – sondern hilflos diese Schüler dann vom Besuch entbinden und sie Kaffeetrinken schicken. So bei uns geschehen. Die Hilflosigkeit und das Wegschauen der Lehrer waren schlimmer als die indoktrinierte Verstockung der Schüler.
  • daß Juden Menschen wie alle anderen sind.

Wenn ihr uns schießt, bluten wir nicht?