Blick in den Abgrund

#1027

Noch wissen wir nicht alles. Aber es stellt sich heraus:

Der Täter versuchte, die Tür der Synagoge in Halle aufzuschießen. Wäre es ihm gelungen, dann hätte er mit seinen automatisierten Schußwaffen einen Massenmord an bis zu 80 Menschen begangen – an Juden, die den höchsten jüdischen Feiertag begingen: Yom Kippur, das Versöhnungsfest.

Die Tür hielt stand. Man stelle sich vor, wenn nicht.

Zwei Menschen, die nur lebten und auf der Straße, in einem Imbiß waren, wurden ermordet.

Einfach so. Mit Livestreaming im Internet über einen – Perversion in der Perversion – Kanal, der für Spiele gedacht ist.

Was passierte, ist schlimm. Was beinahe passierte, ist grauenvoll.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster reagierte mit Entsetzen und Erschütterung. Er stellte aber auch fest, daß in Halle

  • der Polizeischutz vor der Synagoge verweigert worden war
  • die Polizei zehn Minuten von Alarmierung bis zum Eintreffen benötigte, und das mitten in der Stadt

In Nürnberg haben wir andere Verhältnisse. Die Polizei ist da und beschützt uns – und gestern war sie in besonderer Weise präsent. Dafür ist Dank zu sagen. Wir pflegen ein gutes Miteinander und stehen in ständigem Kontakt. Das hat sich gestern erneut erwiesen und ist ermutigend.

Bundeskanzlerin Merkel besuchte gestern die Synagoge zu Berlin, wo abends der große G’ttesdienst zu Yom Kippur stattfand. Sie nahm dort an einer Solidaritätsveranstaltung teil. Das ist ihr hoch anzurechnen.

Nun also hat antisemitisches Morden auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Fratze erhoben. Es ist nötig, daß Juden und Nichtjuden agieren und reagieren, um jeglichen Antisemitismus als das entlarven, wahrnehmen und anprangern, was er ist: Als Vorbereitung, als Aufstachelung zum Mord.