„Eisberg voraus!“ – „Richtung und Klappe halten!“

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Sachfragen seien wichtiger als Personalfragen, sagen viele. Das ist uneingeschränkt richtig. Ob ordnungs- oder wirtschaftspolitische Entscheidungen getroffen werden, die den Wohlstand in Deutschland abwürgen und das Leben in unserem Land unnützen Verboten und einer scheinheiligen Pseudomoral unterwerfen, ist natürlich wichtiger als die Frage, wer an welchem Schreibtisch sitzt.

Andererseits ist es eine Binse, daß es in der Demokratie unverzichtbar auf den Wahlerfolg ankommt. Dieser aber ist von der Wahl des Kandidaten abhängig. Wenn sich in seiner Person eine gutes Programm glaubhaft verdichtet, dann steigt die Zahl der Wähler. Ist das nicht der Fall, dann sinkt sie. Das allerbeste Programm bringt an der Wahlurne nichts, wenn der Kandidat nicht überzeugt. In Würde zu sterben ist nicht Sinn einer Partei.

Gleichzeitig ist auch wahr und richtig, daß der Kandidat alleine nicht reicht, um die Fragen der Bevölkerung zu beantworten. Deswegen bleibt die Hoffnung berechtigt, Deutschland vor Annalena Baerbock zu bewahren. Sie ist medienwirksam und somit als Kandidatin politisch für viele reizvoll, aber inhaltlich steht sie und die mit ihrer Person verbundene Perspektive von Rot-Rot-Grün für ein abzusehendes Desaster für Deutschland.

Wenn einzelne, aber parteiintern maßgebliche Personen in der CDU meinen, die Nominierung eines CSU-Kandidaten wäre für die CDU schlimmer als der Verlust der Kanzlerschaft, dann ist angesichts solcher strategischen Superweitblicker erstens der Kopf zu schütteln und zweitens der frühere CDU-Grande Erwin Teufel zu zitieren: „Erst das Land, dann die Partei, dann die Person“. Bei der Bundestagswahl geht es um Deutschland, und es ist die wichtigste Wahl seit Jahrzehnten. Absturz in ein Jammerland oder Bewältigung der Fragen unserer Zeit mit Freiheit, Wohlstand, Sicher- und Gerechtigkeit.

Es soll ein gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU geben; nehmen wir an, daß es so kommt: Wer wird es lesen? Nicht so furchtbar viele Wähler; leider. Wir hätten in der Vergangenheit bessere Wahlergebnisse gehabt, wenn das mehr Menschen tun würden. Aber da ist die Person, die für das Programm steht. Die in den Nachrichten zu sehen und zu hören ist, die für die Menschen das Wahlprogramm verkörpert. Es kommt darauf an, daß einem die Menschen überhaupt erst einmal zuhören.

Wenn Glaubwürdigkeit der Identität einer Person mit dem inhaltlichen Standpunkt einer Partei(enfamilie) übereinstimmt, wenn diese Person die Menschen erreicht, wenn diese Person kompetent ist und bewiesen hat, politische Stürme auszuhalten, dann soll diese Person der Kandidat werden. Jemanden zu nominieren, der die Menschen nicht erreicht, der aufgrund der Umfragen seit Monaten, aber insbesondere der letzten Wochen, in der Gunst der Wähler abstürzt, ist eine falsche Entscheidung. Aber Entscheidungen können korrigiert werden – und sie müssen korrigiert werden, wenn als falsch erkannt.

Noch ist nichts endgültiges passiert, noch sind die Würfel nicht gefallen, noch haben CDU und CSU ihre Wahllisten nicht erstellt. Es besteht – noch – die Möglichkeit einer Korrektur. Und warum nicht? Mit Armin Laschet stürzt die Union ab. Die Umfragen der letzten Wochen sind mehr als eindeutig. Nun sind Umfragen keine Wahlen und deswegen nicht überzubewerten. Aber sie sind auch nicht nur irgendein irrelevantes Internetding, das man getrost ignorieren dürfte. Vor allem in einer Hinsicht sind sie besonders aussagestark: in Bezug auf den Trend. So>

Es würde ein positiver Ruck durch Deutschland, durch die Union, durch die potentielle Wählerschaft der Union gehen, würde die schlechte Entscheidung korrigiert werden, würde Markus Söder zum Kanzlerkandidaten der Union werden. Armin Laschet muß, um das erwartbare Septemberdesaster irgendwie zu begrenzen, um die Wählerstimmen derer betteln, die normalerweise Union wählen. Das ist hanebüchen! Der Kanzlerkandidat sollte die Stimmen derer, die sowieso gerne Union wählen würden, sicher haben – und um die Stimmen derer ringen, die normalerweise nicht Union wählen würden. Es ist falsch, was da läuft, und es kann nicht Aufgabe der CDU/CSU-Mitglieder sein, Wahlkampf für eine verloren gegebene Sache zu machen.

Freilich, wir werden Wahlkampf machen. Für unsere CSU, für unsere direkt gewählten Abgeordneten. Michael Frieser (Nürnberg-Süd) und Sebastian Brehm (Nürnberg-Nord) verdienen die Wiederwahl. Sie machen auffällig gute Arbeit im Bundestag, sie vertreten ihre Wahlkreise gut, sie haben sich beide einen guten Ruf als fleißige und kompetente Abgeordnete gemacht. Für sie und die Stärke der CSU im Bundestag ist leicht und gut und glaubwürdig und einsatzfreudig Wahlkampf zu machen. Aber für Armin Laschet?

Armin Laschet und die Granden der CDU müssen erkennen, daß ihr Schiff Kurs auf den Eisberg hält und sinken wird, wenn nicht schnell etwas Grundlegendes geschieht. Nun gilt es, schnell und richtig zu handeln! Bisher begnügen sich die CDU-Mächtigen darum, daß die Kapelle im Speisesaal – am liebsten: „Hosianna!“ – spielt. Kurs haben sie nicht, einen überzeugenden Kandidaten haben sie nicht, der Schaden wird eintreten. Aber noch, noch ist es nicht verloren. Wir haben einen, der den Schaden noch verhindern kann, der den richtigen Kurs nimmt – und dem die Menschen das zutrauen. Wir haben einen, dem die Menschen trauen und zutrauen, daß er die Unionswähler hinter sich sammelt, der auch andere für sich begeistern kann, der eine erfolgreiche Politik geradezu verkörpert.

Es ist geradezu absehbar, mit welchen Attributen Historiker die Entscheidung für Armin Laschet einmal vermerken werden. „Unverständlich“, „Grundlage der Niederlage“, „Weg frei gemacht für Baerbock“, „gegen den Willen der Basis und des Mittelbaus der eigenen Partei“ werden sie heißen. Es sei denn, man reißt das Ruder noch herum. Noch ist Zeit!

Bild: Von Roland Arhelger – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72835250