Fair. Nicht unfair. Heute: Rad-Rambos.

An einer vielbefahrenen Straße in Nürnberg geht ein Bürgersteig ent>

Viele weichen auf den Bürgersteig aus. Oder, da dieses Wort manchen altbacken zu sein scheint: auf den Fußweg. Manche sind sehr schnell unterwegs. Daß an dieser bestimmten Stelle ein Altenheim ist, und daß es für den Radler uneinsehbare Ausgänge zwischen einer Hecke gibt, scheint manche nicht zu stören.

Das ist gefährlich und, ernstlich, lebensgefährlich. Es gibt zu viele alte Menschen, die, wenn angefahren und gestürzt und sich den Oberschenkel brechen, daran sterben.

Unrechtsbewußtsein ist bei diesen Radlern selten anzutreffen. Sie schützen sich selbst ja mit Helm, also was soll’s? Dabei ist die Parallelstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt, sogar für Autos (aber nicht für Radfahrer) eine Sackgasse. Dort könnte jeder Radler in Ruhe, ohne Gefahr für sich und ohne eine Gefahr für andere zu sein, so schnell fahren wie er will (so>

Einem der Rad-Rambos zeigte ich gestern mit einer „was soll das denn?“-Geste, daß nicht alle glücklich mit seinem gefährdenden Verhalten sind. Die Reaktion war bezeichnend: „Hast ein Problem, Alter?“, schrie er mich an. In zeitgemäßem Deutsch, mit korrekter Anrede – schließlich bin ich schon 54 -, auch das du ist angemessen: wir sind zwar keine Freunde, aber schließlich teilen wir denselben Bürgersteig, nicht wahr? Wenn man sich sogar beim Kauf eines Kleinmöbels duzen lassen muß, ist das doch vergleichbar angemessen.

Im Ernst: die Lage zeigt zweierlei. Erstens, daß es zu wenige zumutbare, sichere Radwege gibt. Da muß mehr passieren. Zweitens, daß in dieser Zeit des enthemmten Egoismus‘ zu viele nur die eigene (scheinbare) Bequemlichkeit zum Maßstab erheben. „ICH will da fahren, also tue ICH das. Ist MIR doch egal, was die anderen denken.“

So geht es nicht, wenn Menschen in einer Stadt zusammenleben. Wir sind zu viele, um es ohne Regeln miteinander aushalten zu können. Hier geht’s ja nicht um Regeln, die aus Spießigkeit erlassen wurden, sondern darum, daß alle Verkehrsteilnehmer ihr Recht kriegen und haben sollen.

Als Radfahrer würde ich auch nicht gerne auf diese Straße fahren. Aber deswegen andere in Gefahr zu bringen, ist eben auch nicht richtig.

Mehr Radwege müssen her – und dort, wo es noch keinen Radweg gibt oder die Straße ihn nicht hergibt, Hinweise, wenn parallel zu einer für Radler gefährlichen Straße eine ruhige Straße verläuft, die für sie ohne Mehraufwand nutzbar ist.

Mehr Fairness muß her. Vom Autofahrer gegenüber dem Radler, vom Radler gegenüber dem Fußgänger. Keiner ist per se schlecht, keiner per se gut.

Vor allem aber sollte sich etwas an diesem überbordenden Egoismus ändern. Wir sind doch (fast) alle mal Autofahrer (oder Beifahrer), mal Radfahrer und mal Fußgänger. Es gehört sich, daß jeder nicht nur an sich denkt.

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