Deutschlandfunk: Israel greift an!

Sprache ist ein heikel Ding. Wer Sprache formt, der formt bei denen, die zuhören und lesen auch dessen Gedanken mit. Aus Gedanken werden Worte, aus Worten werden Taten. Aus bösen Gedanken werden böse Worte, aus bösen Worten werden böse Taten.

Deswegen sollten insbesondere diejenigen, deren Worte von vielen vernommen werden, diese mit Bedacht wählen.

In obigem Bild ist die Deutschlandfunk-Website von eben zu sehen. Die Schlagzeile verkündet: Israel greift an! Ist das wahr? Ja und nein.

Im rein militärischen Sinne ist es wahr: Dann, wenn eine Armee schießt, greift sie im militärischen Sinne an.

Im normalen Sprachgebrauch ist es falsch, ja: eine Lüge. Denn hier wird der „Angreifer“ mit dem Aggressor gleichgesetzt. Viele Geschehnisse, die militärisch als „Angriff“ bezeichnet werden, sind im normalen Sprachgebrauch eben keine Angriffe. Als die Rote Armee im Winter 1941/42 in und um Stalingrad die Wehrmacht erstmals ernsthaft bedrängte, war das im militärischen Sinne ein Angriff – aber niemand wird bezweifeln, daß die Wehrmacht der Aggressor war und die Rote Armee der Verteidiger.

Deswegen ist die Schlagzeile des Deutschlandfunk (DLF) unanständig. Denn: Hierin wird jemand als Aggressor dargestellt, der einen militärischen Vergeltungsschlag führt. Wie jeder das für sich bewertet, sollte eines jeden eigene Entscheidung sein.

Natürlich muß der DLF keine einseitige Darstellung bringen – ja, er darf es nicht. Deswegen darf er nicht von „Angriff“ sprechen, wenn ein Vergeltungsschlag vorliegt. Ob der Vergeltungsschlag richtig ist, kann man immer noch diskutieren – ob er angemessen, verhältnismäßig, politisch sinnvoll ist, kann man diskutieren. Einen Vergeltungsschlag aber als Angriff zu bezeichnen, ist journalistisch unter dem Niveau, für das der DLF einmal bekannt war.

„Israel schlägt nach Raketenangriff zurück“ wäre eine sachlich saubere, keine Vorverurteilungen insinuierende Schlagzeile gewesen.

Es ist dies einer jener kleinen Punkte, die nolens oder volens gewisse Stereotype linguistisch transportieren. Und die Stereotype setzen sich in Köpfen fest und führen zu Gedanken, zu Worten und schließlich zu Taten.

Der Gedanke an den „alttestamentarischen Haß“, den schon Goebbels gern bemühte, ist von solcher Schlagzeile nicht mehr weit – er führt zur Assoziation des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Der Witz an der Sache ist: vor 3.000 Jahren war das ein echter Fortschritt. Die damaligen Gesellschaften hatten das Problem, daß schon ein flirtender Blick des A an die aus verfeindeter Familie stammende B jahrzehnte>

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